Jochen Klepper

Seine Liedtexte bleiben

 

Jochen Klepper hat den evangelische Christen Lieder von bleibenden Wert geschenkt. Er war tragisch mit der deutschen Geschichte verknüpft.

Zu Leben und Werk

Am 11. Dezember 1942 starb der Namensgeber unseres Gemeindehauses zusammen mit seiner Frau und deren Tochter aus erster Ehe. Jochen Klepper war Schriftsteller. Er schrieb zu 13 Liedern in unserem Kirchengesangbuch die Texte. Das Adventslied: "Die Nacht ist vorgedrungen..." oder das Morgenlied: "Er weckt mich alle Morgen..." können zu den bekannteren gezählt werden
Mitarbeiterschaft und Kirchengemeinderat wählten ihn zum Namensgeber unseres schönen Gemeindehauses, weil er mit seinen Liedern grundlegende Glaubenserfahrungen in eine präzise künstlerisch durchgestaltete Form brachte. Tages– und Festzeiten des Jahres werden in ihnen im Vertrauen auf die Gnade Gottes erfahren. Ihr Tiefgang und religiöse Qualität wird angesichts des persönlichen Schicksals des Dichters verständlich. Er hielt seiner einstmals jüdischen Frau die Treue, obgleich ihn dies in große Schwierigkeiten brachte. Dies gibt bei den heutigen hohen Scheidungsquoten zu denken.
Jochen Klepper wurde am 22. März 1903 in einer Pfarrerfamilie in Beuthen an der Oder geboren. Er war sensibel und begabt. Er wählte die journalistische und schriftstellerische Laufbahn. Er heiratete Hanni Stein. Sie war Jüdin und brachte zwei Töchter mit in die Ehe. Aus seinen Tagebüchern geht hervor, dass das gegenseitige Verstehen und Vertrauen ihn erst zu seinen schriftstellerischen Erfolgen befähigte. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung verlor er seine Stellung beim Rundfunk, später wurde er mit Berufsverbot belegt. Er hätte als Schriftsteller Kariere machen können, wenn er sich von seiner Frau hätte scheiden lassen. Dies lehnte er entschieden ab. Seine Frau und ihre Kinder wären umgebracht und er wäre als Schriftsteller gefeiert worden.
Er war kein politischer Mensch. Die Möglichkeit einer Auswanderung wurde lange verworfen. Er war seinem Heimatland verbunden und in der deutschen Kultur tief verwurzelt. Sein Roman "Der Vater" schildert den preußischen König Friedrich Wilhelm I. als den Urtyp eines väterlichen Regenten. Die Leistungen dieses Königs werden erst allmählich von der Geschichtsschreibung gewürdigt. In weiten Kreisen Berlins wurde der Roman als ein Gegenentwurf zu dem Selbstverständnis Hitlers verstanden. Hitler jedoch verschenkte den Roman an Staatsgäste, weil er sich in jenem König zu erkennen glaubte.
Als Klepper und seine Frau den Ernst ihrer Lage erkannten, war es für eine Auswanderung zu spät. Obwohl sie bis zu Eichmann, dem Organisator des Holocaust vordringen konnten, wurde ihnen eine Ausreise verwehrt und dies bedeutete auch für Jochen Klepper die sichere Deportation und Ermordung.
Das Ehepaar zog es vor, den Todeszeitpunkt selbst zu wählen. Als bewusstem Christen fiel ihm dieser Schritt sehr schwer.
Andreas Kaiser

 

 

 

 

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Lebensbeschreibung Jochen Kleppers