Ein kleine Dorfschönheit lädt ein

Kurze Vorstellung der Kirche

Kirche von Süden mit welscher Haube und Dorflinde

 

Der älteste Teil der Kirche ist der Chor aus dem 13. Jahrhundert. Er war der Kern einer Marienkapelle. Das schmale Fenster des Chors mit seinem Rundbogen stammt aus der Erbauungszeit. Es öffnet sich zum Kirchplatz hin. Der Betrachter kann sich gut vorstellen, wie nach damaliger Sitte ein dünngeschliffenen Pergament eingespannt war.
Eine Besonderheit stellt die kleinste Glocke des Dreiergeläuts dar. Sie wird auf Grund ihrer Tulpenform und ihres Klangbildes ebenfalls auf das 13. Jahrhundert eingeschätzt. Sie ist vermutlich die älteste erhaltene Glocke des Landkreises Ludwigsburg. Mit ihren 200 Kilogramm Gewicht war sie leicht genug, um rechtzeitig geborgen und versteckt zu werden. Sie begleitete mit ihrem Klang die Bevölkerung in Freud und Leid, rief zum Gottesdienst, läutete Sturm bei Feuer und warnte die Menschen vor Gefahren. Sie ist zu allen Viertelstunden zu hören. Heutigen Ohren klingt sie leicht obertönig. Sie wurde nach dem 2. Weltkrieg auf einem Hamburger Glockenfriedhof wieder gefunden.
Im Jahr 1687 wurde der Kirchturm mit einer ‚welschen' Haube umgestaltet, das Kirchenschiff in heutiger Form errichtet.
Die barocke Turmlaterne mit ihren Fenstern ist nicht begehbar und nimmt in spielerischer Form die Funktion vieler Kirchtürme als Signal- und Wachtürme auf.
Eine Besonderheit ist die Orgel. In ihrem alten Bestand mit 4 Manualen stand sie in der Ordenskapelle des Ludwigsburger Schlosses, später in der Kapelle des Schlosses Stuttgart-Hohenheim. König Friedrich von Württemberg hielt sich gerne zur Jagd im Stromberg auf und nahm im Schloss Quartier. Er schenkte die Orgel der Kirche. Sie ist vermutlich die einzig erhaltene württembergische Hoforgel. Es wird vermutet, dass sie auf Grund der vergoldeten Verzierungen bereits im Barock entstanden ist.
Die Emporenbilder sind eine weitere Besonderheit. Sie stellen keine biblischen Szenen dar, sondern sind Andachts-, Mahn- und Sinnbilder. In Fachkreisen emblematische Bilder genannt. Sie verbinden Glaubenserfahrungen mit belehrenden Sprüchen, wie zum Beispiel: "Wer will wandern glücklich fort, der betrachte Gottes Wort". Darüber ist ein lesender Wanderer mit einem vorangehenden Engel abgebildet.
Sie entstanden nach genauen Vorlagen des Nürnberger Hauptpredigers (St. Sebald) und Professors der Theologie Johann Michael Dilherr (1604 - 1669). Freudental ist neben der Stettener Schlosskapelle (Stetten im Remstal) der einzige Fundort emblematischer Bilder in Württemberg. Die Schwägerin des Kirchenschifferbauers Friedrich von Württemberg-Winnental, die Herzogswitwe Sybille von Württemberg lernte in ihrer Mädchenzeit bei ihrer Tante Eleonore von Schweden diese Art Bilder in der Schlosskapelle von Läckö (Südschweden) kennen. Die Bilder wollen die Herzensfrömmigkeit fördern, ein Anliegen des frühen Pietismus. Von der "verkopften" Theologie der lutherischen Orthodoxie weg sollte es wieder zu einer "lebendigen" Frömmigkeit kommen.
Im Chor ist das Epitaph des kaiserlichen Generalfeldzeugmeisters (zweithöchste Generalsrang des alten Reiches) Hans Carl Graf von Thüngen (1648 - 1709). Er kämpfte für Kaiser und Reich von Burgund bis Bosnien. Er versuchte den Südwesten Deutschlands gegen die Franzosen zu verteidigen (Spanischer Erbfolgekrieg). Mit den unzugänglichen Mitteln des zersplitterten Reiches konnte er weit beachtete Erfolge erzielen. Er war ein exzellenter Soldat und Patriot. Gegenüber den hochadeligen Heerführern ist er heute weitgehend vergessen.
Im Kirchenschiff ist das Epitaph des Fostner von Dambenoy zu sehen. Er war Minister und Freund des Herzogadministrators Friedrich Karl von Württemberg-Winnental.

Pfarrer Andreas Kaiser

Innenraum mit emblematischen Emporenbildern und histor. Orgel