Putti schauen mit den damals gebräuchlichen Ferngläsern in die Sonne. Eines streckt sein 'Fidele' dem Betrachter entgegen, ein in evangelischen Kirchen Württembergs nicht sehr häufiges Bildmotiv.

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Was die Bilder in Freudental mit Schweden zu tun haben - oder die Rolle der Herzogin Magdalena Sibylla in der Ausschmückung evangelischer Kirchen in Württemberg mit emblematischen Bildern.

Leider wissen wir kaum etwas über konkrete Hintergründe, die zu der Wahl von emblematischen Bildern für die Emporen der Kirche geführt haben. Nur soviel ist sicher, Herzog Friedrich Carl, der den Ort Freudental 1685 erworben hatte, hat sich mit Sicherheit ebenfalls maßgeblich dafür eingesetzt, die Kirche in der im Großen und Ganzen noch bis auf uns gekommenen Gestalt zu erneuern und einzurichten. So feiert denn im Druck erschienene Einweihungspredigt von 1687 ihn auch in der entsprechender Weise, verliert jedoch leider kein einziges Wort zu den Bildern selbst. Pioniertat ist die Entscheidung für diesen Bildertyp in Freudental allerdings ohnehin nicht gewesen. Die Ehre, in dieser Beziehung beispielgebend gewirkt zu haben, kommt wohl viel eher der Herzogin Magdalena Sibylla, der jungen Witwe des früh verstorbenen Herzogs Ludwig zu, die mit ihm als Herzog-Administrator zusammen anstelle ihres noch minderjährigen Sohnes Eberhard Ludwig in diesen Jahren die Regierung des Herzogtums Württemberg führte.
Herzogin Magdalena Sibylla hatte schon 1683 in dem ihr zugesprochenen Schloss von Stetten im Remstal die Schlosskapelle in überaus eindrucksvoller Weise mit einer Vielzahl von emblematischen Bildern und großen, dem Ernst des hiermit vor Augen gemalten Bußrufs entsprechenden Deckenbildern auszieren lassen. Anstelle der in den lutherischen Kirchen sonst üblichen Bildwiedergabe der biblischen Heilsgeschichte tritt hier in Stetten eine Bilderpredigt, die in einer Vielzahl von Variationen doch immer nur eines will: zur Umkehr des Glaubens und zu erneuerter und ernstgemeinter christlicher Glaubenspraxis zu rufen. An dem Entwurf des Bildprogramms in Stetten hat mit großer Wahrscheinlichkeit der Waiblinger Superintendent Ernreich Weissman, Vertrauter der Herzogin in diesen Jahren, mitgewirkt, wenn er nicht überhaupt maßgeblich dafür verantwortlich war. Die Anregung aber, sich in dem Bemühen um eine Vertiefung und Verinnerlichung persönlichen Frömmigkeit der ‚emblematischen Bilderpredigt' zu bedienen, dürfte wohl auf die Herzogin selbst zurückzuführen sein.
Magdalena Sibylla war, nach dem frühen Tod ihrer Mutter, am Hof der schwedischen Königin Hedwig Eleonore aufgewachsen. Schloss Jakobsdal dort, seit 1669 ein von der Königin besonders geschätzter Aufenthaltsort des schwedischen Hofes, besaß schon damals eine mit emblematischen Bildern ausgezierte Hofkapelle, die im Geiste einer erneuerten kirchlichen Frömmigkeit konzipiert war, einer Frömmigkeit, die im Luthertum vor allem Johann Arndts bahnbrechende ‚Büchern vom Wahren Christentum' Eingang gefunden hatte. Magdalena Sibylla hat den Gottesdienstraum dieser Kapelle mit seinen Bildern bei jedem Kirchgang vor Augen gehabt, er ist ihr vertraut gewesen, und sie kannte vielleicht sogar die eine oder andere der im selben Zeitraum und im selben Geiste gestalteten weiteren Schlosskapellen.
Wenn sich nun aber auch für die Kapelle Stetten, durch Herzogin Magdalena Sibylla vermittelt, unmittelbare Anregung durch ein schwedisches Vorbild vermuten lässt, für Freudental bleiben die Hintergründe im Dunklen. Magdalene Sibylla nimmt zwar wie viele weiter Mitglieder des württembergischen Fürstenhauses am Einweihungsgottesdienst teil, an eine exponiertere Rolle für die Gestaltung dieses Kirchenraumes ist aber sicherlich nicht zudenken. Zudem kann ja das Bildprogramm von Freudental, indem es sich auf die getreuliche Wiedergabe einer kleinen Auswahl von Bildvorlagen aus Dilherrs Bücher beschränkt, als innovativ zu bezeichnen. Ein wenig stutzig könnte allenfalls machen, das Bildmotive aus eben denselben Büchern Dilherrs ebenfalls schon in einem der Fürstenräume des schwedischen Schlosses von Läckö zu finden sind. Unbestreitbar dürfte nur dieses sein, dass sich nun auch in den Bildern von Freudental der Geist einer neuen, auf eine Verinnerlichung drängenden Frömmigkeit niederschlug, wie sie ein Johann Arndt schon zu Beginn des Jahrhunderts im Rahmen des Luthertums wachrief. Und keine Frage auch, dass solch eine Frömmigkeit dafür weit offen war, in die von Philipp Jakob Spener (1635-1705) dann ausgelöste Bewegung des Pietismus einzumünden.

Aussenaufnahme zwischen 1912 und 1916)