Heinrich Friedrich Forstner (1641 - 1687)

Der unbekannte Freund

 

Das Epitaph zeigt in der Mitte eine gravierte Würdigung. Die Büste des Verstorbenen ist oben unter dem Engel.

Grabstein Forstner

Heinrich Friedrich Forstner stammte aus dem evangelischen Adel Österreichs, der unter dem Druck der Gegenreformation weichen musste und enteignet wurde.
Die Familie saß auf Gut Breitfelden, unweit Linz ( Praittenfeld bei Klein-Zell, südlich von Velden). Sie stellte Richter und Diplomaten.
Der Vater des Verstorbenen, Christof Forstner; kam auf seinen Studienreisen nach Tübingen und fiel dem württembergischen Kanzler Jakob Löffler (aus dem Nachbardorf Löchgau) auf.
Christof Forstner trat in württembergische Dienste. Er wurde Statthalter in Mömpelgard, dem Besitz Württembergs im Elsass und verteidigte dieses gegen alle französische Begehrlichkeiten allein kraft seiner diplomatischen Gaben in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Er war später Teil der württembergischen Gesandtschaft beim Friedensschluss in Münster. Aus Dank bekam er das Schlossgut Dambenoy mit Kirche und Dorf bei Allenjoi, in der Umgebung von Mömpelgard. Fortan benannte sich die Familie danach.
Von dem in Freudental bestatteten Sohn wissen wir nur wenig. Er war ein enger Freund des Herzogadministrators Friedrich Karl von Württemberg-Winnental. Dieser Onkel des späteren Herzogs Eberhard Ludwig verwaltete das Herzogtum zusammen mit dessen Mutter während der Kinderzeit des späteren Herzogs. Forstner begann als ‚Brandenburgisch bayreuthischer Hofrat' und endete als ‚Württembergischer Geheimrat, Hofmarschall und Obervogt zu Urach'. Er wurde zu Verhandlungen nach Paris geschickt und soll nach einer Anmerkung die französische Sprache in Stuttgart hoffähig gemacht haben.
Wenige Tage nach Einweihung des Kirchenschiffs wurde er laut Handwerkerrechnung in einem gemauerten Grab unterhalb des Epitaphs bestattet.
Wir wissen deshalb so wenig von ihm, weil sein Sohn Georg Friedrich Forstner zwar ein Freund von Herzog Eberhard Ludwig gewesen war (Anmerkung: vielleicht der einzig echte Freund, den dieser hatte). Weil er aber den Herzog mehrfach in großer Ehrlichkeit und Mut vor den politischen Ränkespielen der herzoglichen Maitresse, der Grävenitz, gewarnt hatte, so musste er Hals über Kopf Württemberg verlassen. Die Grävenitz ließ sein Vermögen beschlagnahmen und das Familienarchiv vernichten.
Der plötzliche Tod Georg Friedrichs in Mailand 1717 ließ Gerüchte über einen Giftmord aufkommen.
Die Familie verzweigte sich in eine niederländische und eine preußische Linie. Ein Zweig dieser soll in den dänischen Adel eingeheiratet haben.

Quelle: Dr. A Bacmeister, Die Forstner in württembergischen Diensten, Württembergische Geschichtsblätter 1899