Grabinschrift

des Hans Carl Reichsgrafen von Thüngen

 

Die Seite befindet sich im Aufbau. Die Geschichte des vor dem Altar in einer Gruft bestatteten Reichsgrafen ist so interessant, dass eine Auswahl schwer fällt. Die unten aufgeführte Inschrift befindet sich heute im Chor der Kirche.

Hans Carl von Thüngen

Grabinschrift des Johann Karl von Thüngen, Generalfeldzeugmeister der deutschen Reichstruppen gegen den Franzoseneinfall des Spanischen Erbfolgekrieges, geboren 1648, gestorben 1709 und in der Evangelischen Kirche in Freudental, Kreis Ludwigsburg vor dem Altar in einer Gruft bestattet.

Die Bronzetafel befand sich in ca. 1,70 Meter Höhe eingemauert, zwischen Kanzel und Chorbogen. Sie wurde wohl bei Anbringung der Gefallenentafeln für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 und des 1. Weltkrieges ausgebaut und im alten Pfarrhaus verstaut. Beim Verkauf desselben durch die Kirchengemeinde konnte Herr Ullrich Gräf sie gerade noch vor der Versteigerung auf einer Tombola des Gemeindefestes 1987 retten und verwahren. Die Inschrift wurde am 28. August 1993 durch Pfarrer Andreas Kaiser in Maschinenschrift übertragen. Fehler sind den des Lateins unkundigen Gießern zu verdanken. Die Buchstaben 'V' und 'U' sind im Original als 'V' geschrieben. Die lateinische Inschrift kann unter dem unten angeführten Link heruntergeladen werden.

Die von Pfarrer Schulz (Latinist und Theologe) aus Weinsberg verfasste Übersetzung sei hier angefügt. Ist es ihm doch nicht nur gelungen, wortgetreu zu übersetzen, sondern auch barocken Stil und Lesbarkeit zu vereinbaren.

Vor anderthalb Jahrhunderten schrieb der nachmalige Generalfeldmarschall Helmuth Graf von Moltke, "dass die vaterländische Geschichte den General Thüngen undankbar vergessen habe."


Gedenktafel (Übersetzung)
"Dem besten und höchsten Gott geweiht.
Der erlauchteste und erhabenste Held,
Johann Carl, des Heiligen Römischen Reiches Graf von Thüngen,
der Kaiser Leopold und Joseph Heerführer,
auf ihrer und des ganzen Reiches Beschluss Generalfeldzeugmeister, Kommandant der Burg und Besatzung von Philippsburg,
kaiserlicher Generalfeldmarschall, Ritter des preußischen Adlerordens
und in den Gebieten des Bistums Würzburg Erbtruchseß,
liegt hier begraben.
Er, der die von den Vorfahren ererbte Würde des uralten Geschlechts durch Tapferkeit und Verdienste vermehrte,
so dass er die höchsten militärischen Würden erreichte,
schlug früh die militärische Laufbahn ein und , nachdem die Burgunder gezähmt waren,
verteidigte Besancon, dann, als Sieger in der schweren Schlacht bei Senef, als Philippsburg eingenommen war, rettete er die Straßburger und, nachdem Wien befreit und Ofen eingenommen war, brach er die schreckliche Wildheit der Türken in Österreich wie in Ungarn; durch eifriges Kämpfen hat er die Wucht der Siege dann nach Deutschland getragen, und, nachdem Mainz und Bonn den Franzosen entrissen und dieselben bei Donauwörth und Höchstädt in einer großen Schlacht geschlagen, vertrieben und aufgerieben waren und er die Bayern aus Ulm vertrieben hatte, schützte er Augsburg und Nürnberg und hat so das Joch, das dem Vaterland drohte, mannhaft zerschmettert, und als unbesiegter Bewahrer der deutschen Freiheit kommandierte er überall Truppen, trug, überaus große Triumphe davon und kam zu höchsten, seine Verdienste gleichwohl nicht aufwiegenden Ehren. Er war unermüdlich, großherzig, unerschütterlich, ließ in der militärischen Disziplin nicht nach, war ohne Strenge ein äußerst hartnäckiger Vater der Heere, von dessen Redlichkeit, Klugheit, Tapferkeit, Wachsamkeit, Heiligkeit des Lebens und der Sitten nichts Vortrefflicheres gesagt werden kann.

Er starb kinderlos im Heerlager bei Speyer am 8. Tag vor den Iden des Oktober im Jahr der Zeitrechnung Christi 1709 im Alter von 61 Jahren, 7 Monaten und 23 Tagen, bewahrte Gott, Kaiser und Reich Treue bis zum Ende und erhielt die Krone der Unsterblichkeit, Maria Johanna Faust von Stromberg - im Gedenken an die über 31 Jahre glücklich währende Ehe dem unvergleichlichen Gatten - und die schriftlich festgesetzten Erben aus den verwandten Familien derer von Thüngen, der Voit von Salzburg und der Zobel von Giebelstadt, haben dem an Würde des Namens und an Herrlichkeit des Ruhmes und der Taten ausgezeichnetsten Onkel dieses Denkmal setzen lassen."

Maria Johanna von Thüngen, geb. von Stromberg