Die Königin der Instrumente

Vermutlich einzig erhaltene Hoforgel Württembergs

 

Freudentals Orgelgeschichte geht andere Wege als die umliegender Orte.

Der barocke Prospekt nach der Restaurierung

ZUR GESCHICHTE DER ORGEL

Die Freudentaler Orgel kam 1814 als Geschenk König Friedrichs von Württemberg hierher. Der König hielt sich gerne zur Jagd und anderen Vergnügungen im Ort und den Strombergwäldern auf und nahm im Schloss Quartier.
Der Freudentaler Pfarrer Seubert (später Prälat) trug folgendes in das Kirchenbuch ein:
"Im Herbst 1813 befahl ich, die allzu schwache Orgel ganz stillstehen zu lassen, worüber einige murrten, wodurch aber hauptsächlich bewerkstelligt worden, dass im Sommer 1814 Seine Majestät der Kirche zu Freudental die ehemals in Hohenheim in der Hauskapelle des Herzogs Carl und nachher in der Ordenskapelle in Ludwigsburg gestandene gute und schöne Orgel geschenkt."
Pfarrer Seubert war ein tatkräftiger Mann und säuberte gründlich den Ort von aller Faulheit und Unsittlichkeit.
Das Instrument wurde von Johann Eberhard Walcker aus Cannstatt noch im Jahre 1814 in Freudental aufgestellt. Es hatte fünf Register auf einem Manual ohne Pedal. Der obere Prospektteil dieser Orgel ist bis heute erhalten.
Nach zwischenzeitlicher Stilllegung der Orgel wegen Unbespielbarkeit wurde sie 1954/55 von Orgelbau Walcker wieder spielbar gemacht und auf die Seitenempore versetzt. 1969 folgte durch Orgelbau Walcker eine Erneuerung und Erweiterung auf 12 Register auf 2 Manualen mit Pedal. Diesem nicht sehr qualitätvolIen Umbau folgte 1995 ein weiterer. Pfeifenwerk und Technik wurden in das vorhandene Gehäuse hineingequetscht. Dies führte in der Folge zu ständigen Problemen, da die Orgel nicht mehr vernünftig zu warten und zu reparieren war.
Der Orgelsachverständige der württembergischen Landeskirche, KMD Burkhart Goethe, schlug am 11. Juli 2011 der Kirchengemeinde nach Beurteilung des Zustandes der Orgel und der Besprechung mit drei Orgelbaufirmen, die ebenfalls auf konstruktive und platztechnische Probleme im historischen Gehäuse hinwiesen vor:" Die Aufgabe dieser Orgel und den Einbau eines neuen lnstrumentes mit einem Manual, Pedal und maximal 7-8 Registern unter Verwendung des historischen Gehäuses ernsthaft zu überlegen. Ein solches Instrument wäre den Raumverhältnissen auf der Empore und im Gehäuse angemessen, würde sich bei freierer Aufstellung des Pfeifenwerkes wesentlich besser entfalten und weitaus geringere Wartungsaufwände erfordern als es bisher der Fall ist Die leider oft noch verbreitete Ansicht dass eine einmanualige Orgel keine ,richtige' Orgel sei, ist ein völliger lrrtum. Es kommt primär auf ein gutes Klangbild und spielfreudige Trakturen an."

NEUKONZEPTION DER ORGEL 2013

Nach einer Ausschreibung wurde die Orgelbaufirma Friedrich Lieb aus Bietigheim damit beauftragt, ein Konzept für die Renovierung der Orgel mit 1 Manual unter Beibehaltung des historischen Pfeifenprospekts und des Pfeifenbestands zu erarbeiten. In Abstimmung mit dem Orgelsachverständigen KMD Burkhart Goethe und BezirkskantorTobias Horn konnte eine Disposition entwickelt werden, die fast ausschließlich auf das vorhandene Pfeifenmaterial zurückgreift. Der Innenraum des Gehäuses musste dabei neu gestaltet und die schadhafte Technik ersetzt werden.
In der Diskussion um den besten Klang entstand die Idee, die Orgel zu drehen und an die Chorwand zu stellen. Damit kann die Klangabstrahlung den Kirchenraum besser füllen.

ORGELBAUMEISTER FRIEDRICH LIEB:GEDANKEN ZUR ORGEL

Die ursprüngliche Überlegung zur Erneuerung der Technik an der Freudentaler Orgel hätte nur einen ,,kosmetischen Eingriff" bedeutet, und nicht das Kernproblem der Orgel generell in Angriff genommen. D.h die Wartungsfreundlichkeit der Orgel wäre auf weitere Jahrzehnte nach wie vor unbefriedigend und teilweise unmöglich gewesen.
Mit der sicher nicht leicht gemachten Entscheidung durch den Kirchengemeinderat, einen technischen Neubau der Orgel durchzuführen, hat man die Möglichkeit genutzt, dem historischen Prospekt ein adäquates Inneres zurückzugeben. So entschied man sich, die Orgel wieder einmanualig zu bauen, was den Platzverhältnissen in der Orgel wiederum sehr zugute kam. Die Orgeltiefe konnte dadurch wieder etwas zurück genommen werden, was für die Proportionen sehr von Vorteil war.
Die neu gefertigten Teile wurden in traditioneller Weise aus Massivholz hergestellt. Die Windlade, das Spieltischchassis sowie sämtliche Lager der Registertrakturen wurden aus Eiche, das innere Gehäuse und Ständerwerk mit Windkanälen aus Fichte hergestellt.
Die Aufteilung der Register auf der Windlade wurde neu angeordnet, sodass genügend Platz für einen optimalen Sprachraum der einzelnen Pfeifen gewährleistet wird.
Bewusst wurde ein Großteil der vorhandenen Register übernommen,obwohl die vorhandenen Mensuren nicht optimal auf einander abgestimmt waren. Während den Intonationsarbeiten wurde dies durch unseren Intonateur, Herrn Dörr, weitgehendst in Einklang gebracht, sodass jetzt ein tragfähiges Fundament auf Principal 8' Basis vorhanden ist. Musikalisch gesehen konnte die Lücke des fehlenden Streicherklanges, welcher in den früheren süddeutschen Orgeln vorhanden war, durch den Einbau eines neuen Salicional 8' geschlossen werden. Auch mit der leicht ungleichstufig angelegten Stimmung der Orgel nach Neidhardt 1724 wird den süddeutschen Wurzeln des Instrumentes Rechnung getragen.
Bedanken möchte ich mich beim Kirchengemeinderatfür das uns entgegengebrachte Vertrauen, Herrn 0SV Goethe für die Betreuung des Projekts, Herrn Gräf für die Beratung und Vermittlung sowie meinen Mitarbeitern, Herrn Andreas Klaiber und Herrn Christoph Dörr. Wir wünschen der Gemeinde mit ihrem ,,neuen" Instrument viel Freude, möge die Orgel das Lob Gottes in musikalischerWeise verkündigen.

RESTAURATOREN ANDREAS UND ISABEL MATTES: RESTAURIERUNG UND KONSERVIERUNG DES UMGEBAUTEN UND NEUAUFGEBAUTEN ORGELPROSPEKTS

Im Sommer 2013 wurde im Zuge des Umbaus der vorhandenen Orgel auf der Empore der evangelischen Kirche in Freudental auch eine Restaurierung der Farbfassung für dringend notwendig befunden. Herr Gräf, der Vertreter der Kirchengemeinde, und Herr Lieb, der Orgelbauer, sind auf uns als Restauratoren für Möbel und Holzobjekte zugekommen und haben uns um einen Konzeptvorschlag gebeten.
Das Instrument wurde stark verändert, somit auch der Orgelprospekt umgebaut und in seiner Aufstellung gedreht. Eine farbliche Fassung der neuen Teile ist notwendig geworden, noch dazu mussten die alten Gold- und Fassungsschichten gefestigt werden, da sie sonst abgeblättert wären. Außerdem war die Farbgebung aus den 1960er Jahren nicht stilgerecht.
Aus diesen verschiedenen Kriterien wurde ein Konzept für die Restaurierung entwickelt, welches den erhaltenen, barocken Teilen entspricht, aber auch dem aktuellen Umbau und der modernen Benutzung gerecht wird.
Nach eingehenden Befunduntersuchungen wurde festgestellt, dass die ursprüngliche Farbfassung des Orgelprospekts in einem gebrochenen Weißton gehalten war.   
Aufgrund der Untersuchungsergebnisse wurde eine Neufassung auf den senkrechten Flächen mit einer Farbe in einem passenden,gebrochenen Weißton vorgenommen. Dieser stimmt mit der Farbgebung der Fassungen aus der Bauzeit der Orgel in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts überein, im Gegensatz zu der vorhergehenden braunen Fassung. Die vergoldeten und farblich abgesetzten Bereiche an den Profilen wurden belassen und gefestigt, da sie das Erscheinungsbild des Orgelprospektes brillanter hervorheben.
Nach der Restaurierung erscheint die Orgel in ihrer neuen Konstellation und Position in sich stimmig und durch die helle Farbgebung wird sie zu einem Blickfang in der Kirche.


Disposition:  

Manual C-g"'  
1. Principal           8'
2. SaIicional         8'
3. Gedackt           8'
4. Meerflaut         8'
5. Octave             4'
6. Kleingedeçkt    4'
7. Superoctave    2'
8. Mixtur 3-4fach  1 1/3'

Pedal C-d'   
9. Subbass    16'
Pedalkoppel   

Seit Oktober 2013 ist unsere Orgel wieder zurück aus der Werkstatt des Orgelbauers Lieb in Bietigheim. Die Kosten für Umbau und Renovierung betrugen ca. 90.000 €. Da diese Summe unsere Rücklagen stark belastet hat, sind wir auf die Mithilfe der Gemeindeglieder und anderer Gönner angewiesen. Spenden können Sie auf das Konto der Ev. Kirchenpflege Freudental:

IBAN: DE61 6045 0050 0006 0104 27

BIC: SOLADES1LBG

Herzlichen Dank für Ihre Hilfe!